Wer ist
Jörg Schlaich ?
Am 17. Oktober 1934 wurde er in Stetten im Remstal (Rems-Murr-Kreis) als Pfarrersohn geboren. Als gelehriger Schüler des großen Baumeisters Fritz Leonhard (Fernsehturm) hat er von ihm mit Sturheit und Fleiß, dem schwäbischen Ersatz für Intelligenz, viel gelernt.

Eine Schlagzeile lautet:
Ein weltweit bekannter Stuttgarter Professor erhielt den Fritz-Leonhard-Preis der
Ingenieurkammer Baden-Württemberg.
Diese Auszeichnung wird alle 3 Jahre seit 1999 zu Ehren von Fritz Leonhardt verliehen und ist mit 20 000 Euro dotiert.

Eine andere Schlagzeile lautet:
Den Herrn der Brücken und Türme mit Werner-von-Siemens-Ring für sein Lebenswerk gewürdigt.

Ein Genie ist Jörg Schlaich nicht - sagt er - aber wenn er nicht so grandios wäre, bekäme der Bauingenieur nicht den höchsten deutschen Preis für Technikpioniere. Vor ihm erhielten diese Auszeichnung bereits Karl von Linde (Eismaschinenerfinder), Chemie- Nobelpreisträger Carl Bosch und Fritz Leonhardt.

Schlaich steht in der großen Tradition schwäbischer Baumeister. Wird als bester Brückenbauer der Welt bezeichnet. Ein herausragendes Beispiel ist die Hoogly-Brücke im Ganges-Delta bei Kalkutta, die 1992 nach einer Bauzeit von 23 Jahren für den Verkehr freigegeben wurde. Warum 23 Jahre? Eine Randbedingung im Vertrag lautete: Ausschließlich mit einheimischen Arbeitskräften und lokalen Werkstoffen solle gebaut werden. In Indien gab es damals (1969) jedoch weder schweißbaren Stahl noch Schweißgeräte. Sie hätten auch nicht viel genützt, weil in Kalkutta Stromausfälle von 6 bis 8 Stunden an der Tagesordnung waren. Eine 1000 m lange Schrägseilbrücke zu nieten, das bedeutete, es hat Tausenden von Menschen in Lohn und Brot gesetzt und deswegen nennt er diese Brücke auch "Brücke unseres Lebens".

1980 gründete er mit Rudolf Bergermann und Kurt Schäfer ein eigenes Ingenieurbüro in Stuttgart. Erfolgreich entstanden dann kleine Wunderwerke, wie die Brücke von Kiel, die sich zusammenklappen kann oder die Katzbuckelbrücke im Duisburger Innenhafen.

Weitere bekannte Bauwerke in unserer Umgebung sind die Membrandächer des Gottlieb-Daimler-Stadions, seine Seilnetzentwürfe für das Münchner Olympiastadion. Sein Traum aber ist der Bau eines solaren Aufwindkraftwerkes zur Energieversorgung.



Erläuterungen der einzelnen Etappenziele auf unserer Wanderung

Brücke Auerbachstraße über die Heilbronner Straße

Ort Stuttgart
Bauart Betonbrücke als Scheibenbogen mit aufgeständerter Fahrbahnplatte
Bauherr Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung 2003
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung, Bauüberwachung
Länge 130 m, Spannweiten 20 / 43 / 33 / 19 m, Höhe 10 m, Material Beton, Betonstahl
Die 130 m lange Brücke verbindet die Anhöhe Prag über die in einer Mulde liegende Heilbronner Straße mit dem Gebiet Leitzstraße. Ziel des Brückenentwurfs war es, trotz der städtebaulich schwierigen Situation eine leicht und transparent wirkende Brücke zu entwerfen. Weil die Heilbronner Straße eine der großen Stuttgarter Ein- und Ausfahrtstraßen ist, soll die Brücke als Tor wirken. Daher wurde letztlich eine Brücke mit Betonfahrbahn, die sich über vertikale Scheiben auf einem polygonalen Betonscheibenbogen abstützt, entworfen. Zusammen mit den beiden ähnlich konstruierten Fußgängerbrücken an der oberen Prag- und der oberen Heilbronner Straße, die allerdings einen Stahlrohrunterbau besitzen, bilden sie eine Brückenfamilie.
Aussichtsturm Killesberg

Ort Stuttgart
Bauart Vorgespannte Seilnetzstruktur
Bauherr Verschönerungsverein der Stadt Stuttgart
Fertigstellung 2001
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung, Bauüberwachung
Architekt Hans Luz und Partner, Landschaftsarchitekten, Stuttgart
Höhe 40 m, Fundamente Beton, Turm Stahl und galfanbeschichtete Seile
Der Aussichtsturm bietet auf 4 Plattformen in Höhen von 8, 16, 24 und 31 Metern, die durch zwei um 180° gegeneinander versetzt angeordnete Stahltreppen erschlossen werden, einen Ausblick über einen großen Teil der Stuttgarter Umgebung. Im Wesentlichen besteht der Turm aus einem zentralen Mast und dem aus 48 Spiralseilen "gewebten" Seilnetz. Das Seilnetz wird an einem in 33,5m Höhe angeordneten Druckring zum Mast hin umgelenkt und kann so durch diesen vorgespannt werden. Durch diese Vorspannung ist das Seilnetz fähig die Plattformen und die stählernen Treppenläufe zu tragen. Die Plattformen, bestehend aus radial orientierten Trägerrosten und einem Belag aus Tränenblech, werden zusätzlich zu der Befestigung am Seilnetz am Mast aufgelagert und steifen diesen damit zusätzlich aus. Die Verankerung der Zugkräfte geschieht über ein ringförmiges Schwergewichtsfundament unter den Verankerungs-punkten der Seile. Die Druckkraft des Mastes wird über ein zentrales Fundament bis in die tragfähigen Schichten des Baugrunds geleitet.
IGA 1993 Brücke Nordbahnhof

Ort Stuttgart
Bauart Selbstverankerte Hängebrücke
Bauherr Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung 1992
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung, Bauüberwachung
Architekt Planungsgruppe Luz, Lohrer, Egenhofer, Schlaich
IGA 1993 Brücke Heilbronner Straße

Ort Stuttgart
Bauart Rück-/selbstverankerte Hängebrücke
Bauherr Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung 1992
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung, Bauüberwachung
Architekt Planungsgruppe Luz, Lohrer, Egenhofer, Schlaich
Die 151 m lange Straßenbrücke ist Kernstück der Ostumfahrung Stuttgart-Vaihingen. Die Brücke verfügt über zwei Richtungsfahrbahnen für den Fahrzeugverkehr und einen darüber verlaufenden Geh- und Radweg. Die Konstruktion besteht aus einer Betonfahrbahnplatte mit darunterliegendem Fachwerk und baumartigen Stützen aus Stahlrohrprofilen. Die Knoten und Fußpunkte der Stahlkonstruktion sind in Stahlguss ausgeführt. Die schlaff bewehrte Beton-platte ist monolithisch mit den angrenzenden Tunneln verbunden, also ohne schadensanfällige Lager und lärmerzeugende Fahrbahnübergänge. Der Geh- und Radweg wird von Stahlrohr-bögen getragen. Darin sind abschnittsweise lamellenartige Schallschutzelemente aus Edelstahl integriert.
Ort Stuttgart
Bauart Fugenlose Stahlfachwerkbrücke mit Betonfahrbahnplatte auf baumartigen Stahlstützen; oberhalb der Fahrbahn befindlicher Geh- und Radweg mit integriertem Schallschutz.
Bauherr Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung 1999
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung
Architekt Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart Luz und Partner, Landschaftsarchitekten, Stuttgart
Zusammenarbeit Gertis + Fuchs, Ingenieurbüro für Bauphysik, Stuttgart
Prof. Reinhardt, betontechnologische Beratung, Stuttgart
FMPA Baden-Württemberg, Messungen, Stuttgart
Länge 151 m Spannweite 49,5 m, Höhe 22 m
Bundesgartenschau Rosenstein I
Selbstverankerte Hängebrücke
Fertigstellung 1976
Bundesgartenschau Rosenstein II
Vorgespannte Seilnetzstruktur
Fertigstellung 1976
In einer noch unverdorbenen Landschaft in der Nähe von Stuttgart wurde eine 114 m weit gespannte Fußgängerbrücke über den Neckar gebaut. Unter den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten entschied man sich für eine rückverankerte Hängeseilbrücke, weil diese am besten auf die spezielle Topographie, ein steiler Prallhang mit Weinbergen auf der einen Seite und die flache Neckaraue mit einem schönen parkartigen Baumbestand auf der anderen Seite, reagieren konnte.
Fußgängerbrücke Max-Eyth-See unter den Einheimischen auch "Golden Gaidle" genannt
Ort Stuttgart
Bauart Fußgängerhängebrücke
Bauherr Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung 1988
Unser Auftrag Entwurf, Ausführungsplanung, Bauüberwachung
Architekt Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart Brigitte Schlaich-Peterhans, S.O.M. Chicago
Spannweite 114 m
Höhe der Masten ca. 24m
Tragseile 2 vollverschlossenene Seile Ø106mm Betonplatte