Rückblick 2012
Hier finden Sie Berichte und Beschreibungen, mitunter auch Bilder, von zurückliegenden Veranstaltungen. Schreiben Sie doch ein paar Zeilen für diejenigen, welche nicht dabei sein konnten, wenn Ihnen eine Veranstaltung besonders gefallen hat. Besonders unsere Wanderführer sind aufgefordert, hier einen kurzen Rückblick über ihre Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Der Wanderwart freut sich auf Ihren Beitrag!
Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von den Inhalten der auf der Seite www.schwarzwaldverein-weilderstadt.de verlinkten Websites. Für den Inhalt der verlinkten Seiten übernehmen wir keine Haftung. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 0 85/98 - "Haftung für Links" hat das Landgericht (LG) Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Das ist hiermit geschehen und klargestellt.
Inhalt Rückblick 2012:

- Rundgang mit unseren Wegewarten am 29.01.2012
- Sindelfingen - eine Nachbarstadt einmal anders am 29.02.2012
- Zu den Märzenbechern im Filstal am 17.03.2012
- Mittwochswanderung nach Calw am 18.04.2012

- Mit Mörike zu Blumenteppichen am Michaelsberg am 07.06.2012
Rundgang mit unseren Wegewarten am 29.01.2012
Bericht von Gudrun Krehl

Am 29.1.2012 hatten unsere Wegewarte zu einer 2,5 stündigen Wanderung eingeladen. Die ganze Woche hatte schon so ein richtiges "Schlafwetter" geherrscht (neblig-trüb), dass man sich wirklich zwingen musste, freiwillig rauszugehen. Ich hatte die ganze Woche an einem schlimmen Schnupfen laboriert und wollte einfach die frische Luft nutzen (mit dem Hintergedanken, es ist vielleicht sowieso niemand weiter da!) Aber am Startpunkt hatte sich dann doch eine größere Gruppe eingefunden. Es ging auch ganz pünktlich und stramm los, viele Leute hatten sich viel zu erzählen. Der erste Zwangsstopp musste dann eingelegt werden, als weit hinter uns noch ein Nachzügler Anschluss suchte. Diesen nahmen wir natürlich noch gern mit. Unterwegs wurde nur noch mal kurz gerastet, um ein paar Erklärungen von Rudi Bartsch zur Landschaft zu lauschen, denn der Weg war das Ziel!
Dem Wetter entsprechend waren alle gut eingepackt und konnten so auch das Tempo gut mithalten.
25 Leute erreichten dann ganz pünktlich wieder das Ziel und freuten sich auf die Schluss-Einkehr.
Mir hat der flotte Marsch auf alle Fälle gefallen und auch gut getan, obwohl ich gleich nach Hause lief.
Vielen Dank an unsere Wegewarte, die so viele Leute mobilisieren konnten!
Mittwochswanderung am 29. Februar 2012:
Sindelfingen - eine Nachbarstadt einmal anders
Bericht von Wilhelm Dieterich

Der frostige Februar 2012 verabschiedete sich mit seinem wärmsten Tag: Die Sonne schaltete die Heizung an - Schalttag eben.
26 Wanderinnen - ein paar Männer waren auch darunter - folgten dem Lockruf aus dem Wochenblatt, eine als Autoschmiede und Einkaufsmeile bekannte Nachbarstadt zu besuchen; freilich galt unser Augenmerk weder dem einen noch dem anderen Attribut, sondern einer weitläufigen Parkanlage, einer Kirche und dem mittelalterlichen Stadtkern.

Mit der S-Bahn und (ab Renningen) dem Bus ging´s zum Busbahnhof und von dort mit dem Stadtverkehr zur Haltestelle Rotbühl. Hier begann der Spaziergang durchs Sommerhofental, wo 1990 die Landesgartenschau fast eine Million Besucher angelockt hatte. Von Weitem schon machte der 42 m hohe Campanile der Martinskirche auf sich aufmerksam. Die romanische Ostseite mit ihren drei Apsiden und dem gotischen Anbau der Sakristei präsentierte sich als trutzige, den Besucher eher abweisende Festung. Diesem Geist fühlte sich der Mesner wohl verpflichtet, der die Pforte der sonst - obgleich evangelisch - stets offenen Kirche verriegelt hatte, offenbar war er beim Vesperholen. Doch der herbeigerufene Pfarrherr half mit seinem Schlüssel aus der Not. Zuvor umrundete unsere Gruppe jedoch die 1083 geweihte und um 1130 fertiggestellte Basilika, sah den Kreuzgang oder besser das Gelände, wo er sich einst befand, das an die Kirche angebaute Probsteigebäude, das rote Westportal mit Löwenkopf und romanischen Beschlägen, den von diesen inspirierten Schriftzug "Ich bin die Schale und ihr seid der Kern" an der Mauer zum Probsteigarten sowie schließlich die Bronzeskulptur des Heiligen Martin mit dem Bettler bei der Mantelteilung.

Im Innern empfing die Besucher romanische Strenge und Kargheit, lediglich aufgelockert durch das rebenumrankte Taufbecken aus Bronze des Remstälers Karl Ulrich Nuß. Hoch über den Köpfen spannte sich die originale Bohlendecke mit den Symbolen der vier Evangelisten Mattäus (Engel), Markus (Löwe), Johannes (Adler) und Lukas (Stier).
An der hinteren Wand versteckte sich das kulturgeschichtlich bedeutsamste Bildwerk der Kirche: ein Sandsteinrelief mit der vor Christus knienden Erzherzogin Mechthild von der Pfalz und ihrem Sohn Graf Eberhard im Bart, das an die Verlegung des hier seit dem 11. Jahrhundert bestehenden Chorherrenstifts nach Tübingen erinnert. Sie erfolgte zur Gründung der Universität und zu deren finanzieller und personeller Ausstattung im Jahr 1477. Mechthild war eine freisinnige und gebildete Frau, die bereits 1457 ihren zweiten Ehemann Erzherzog Albrecht VI. von Österreich dazu bewogen hatte, im damals österreichischen Freiburg im Breisgau eine Universität zu gründen. Auch bei der Gründung der Universität Tübingen durch Eberhard war sie die Triebfeder. Die patriotische württembergische Geschichtschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts hat Eberhard, den ersten württembergischen Herzog, einigermaßen verklärt (Württembergerlied "Preisend mit viel schönen Reden..." von Justinus Kerner, Denkmal von Paul Müller im Stuttgarter Schloßgarten, die Graf- Eberhard-Gruppe, Reiterstandbild im Innenhof des Alten Schlosses in Stuttgart). Eberhard war verheiratet mit Barbara Gonzaga aus Mantua, die nach seinem Tod in Böblingen und später in Kirchheim/Teck lebte.

Nach so viel Kultur strebte unsere Gruppe dem Kern der erst 230 Jahre nach dem Bau der Kirche gegründeten Stadt zu, vorbei am Brunnen der Schwätzweiber und an einem mittelalterlichen Bauerngarten. Am Schaffhauser Platz stießen wir auf das hierher versetzte Firstsäulenhaus, das einen einfachen, aber heute nur noch selten erhaltenen Fachwerktyp verkörpert. Hintere Gasse, kurze Gasse, Hexensprung, Storchenhaus, Altes Rathaus - malerische Ecken noch und noch, manche offensichtlich erst in jüngerer Zeit herausgeputzt und manche erst im Stadium des Renovierens. Unversehens waren wir am Wettbachplatz, dem Fressplatz der Sindelfinger Altstadt, und ließen es uns im Erdinger bei üppigen Portionen wohl sein.

Im Dämmerlicht des Abends fuhr der Linienbus nach Renningen. Auf dem Bahnsteig dort verkürzte ein Blick zum Himmel die Zeit des Wartens auf die S-Bahn: Ein seltener Anblick, wegen der noch herrschenden relativen Helligkeit durch keine Fixsterne beeinträchtigt, bot sich: Der zunehmende Halbmond und die Planeten Venus und Jupiter standen wie mit dem Lineal gezogen in einer Reihe am Westhimmel. Westwärts, den Planeten nach, brachte die Bahn uns wohlbehalten heim.
Zu den Märzenbechern im Filstal am 17.03.2012
Bericht von Adelheid & Heiner Weidner

Wenn die Märzenbecher als erste Frühlingsboten blühen muss man schnell handeln.
Dementsprechend wurde die Wanderung ins Filstal, die im Wanderplan 2012 für den 25. März vorgesehen war, um eine Woche vorverlegt. Auch die Terminwahl auf den Samstag hat sich als sinnvoll erwiesen, weil die Strecke an Sonntagen von Ausflüglern überlastet sein könnte. In dem hochempfindlichen Naturschutzgebiet des Bannwaldes am Albtrauf ist Rücksichtnahme ohnehin sinnvoll.

Unter den noch kahlen Bäumen des steilen Bergwaldes standen die großen Geschwister des Schneeglöckchens tatsächlich in voller Blüte; ihr Teppich reichte bis an den Waldweg heran und versprühlte den feinen Duft, konzentriert an zwei großflächigen Ansammlungen. Ebenso selten, aber weniger auffällig wie diese Amarylis-Art sind Sinter-Terrassen: Wo Höhlen aus dem Kalk-Massivs der Schwäbischen Alb das kalte Grundwasser in die Wärme entlassen sintern die Kalk-Moleküle aus und bilden natürliche, bemooste Terrassen, die wie Kunstwerke erscheinen. Der Autalbach leitet die Rinnsale zur nahen Fils mit den Badeorten Ditzenbach und Überkingen.

Nach zwei gemütlichen Nachmittags-Stunden stärkten sich fast 50 Wanderer beim Wirt der Autal-Stuben. Vier der neun mitfahrenden Gäste entschlossen sich spontan, Mitglied im Schwarzwaldverein Weil der Stadt zu werden.
Mittwochswanderung nach Calw am 18.04.2012
Bericht von Wilhelm Dieterich

Wir, das waren fünf weitgehend ergraute männliche Häupter und dreizehn Damen (bei ihnen ist die Haarfarbe schwerer zu bestimmen), fuhren bei bestem Wanderwetter mit dem Linienbus nach Calw. Eine kurze Umsteigpause nutzten wir zum Gang zur Nikolausbrücke und zu einem Steinrelief am renovierten Haus Reichert, mit dem ein früherer Hausbesitzer seinem Ärger über anstoßende Langholzfuhrwerke, die Abriebstellen an seiner steinernen Hauswand zurückließen, in verschlüsselter Form Luft gemacht hat. Auf dem Relief sind ein Esel und folgende Buchstaben bzw. Silben abgebildet: S, E, IBE, FU, SEL, N, ERE, TEI, IN, RE. Rätsellöser an die Front!
Auf dem Wimberg dem Bus entstiegen erreichten wir jenseits des Zavelsteiner Sträßles das Wildschweingehege, wo drei Bachen ihren Nachwuchs, gut ein Dutzend, in den Hauptfächern Futtersuche und soziales Verhalten emsig unterwiesen. Dann führte uns der als Finnenbahn ausgestaltete weiche Waldweg zum Schafott. Im Jahr 1818 fiel hier zum letzten Mal ein Kopf; es war derjenige von Gertrude Pfeiflin, die hier wegen Raubmords vor großer Kulisse (für Schulkinder war das Schauspiel Pflicht) endete. Als noch schauriger, weil an Unschuldigen ausgeführt, empfinden wir heute die Hinrichtung der wegen Hexerei verurteilten Mulflerin anno 1683, die, von einem Nachbarsbuben aus Angst vor elterlicher Züchtigung mit der Phantasie entsprungenen Anschuldigungen angeschwärzt, ihr Leben ließ; auch ihr elfjähriger Enkel Bartel, der als dem Teufel verfallen galt, musste im Beisein einer Menschenmenge durch das Richtschwert sterben.

Über den Gimpelstein mit Blick auf die Stadt stiegen wir zum Stadtgarten hinunter, der als Ausläufer des Waldes so weit in die Stadt hineinreicht, dass man mit einem gewissen Recht sagt, in Calw fange der Schwarzwald mitten in der Stadt an. Über die aussichtsreiche Schillerstraße kamen wir, vorbei am Amtsgericht, zum Schlossberg, einer ins Nagoldtal vorspringenden Anhöhe. Den Hügel beherrscht heute ein Sandsteingebäude, in dem die Polizei untergebracht ist. Einst stand hier die Burg der Grafen von Calw. Sie verfügten über zahlreiche Besitzungen in Süddeutschland und hatten im 12. Jahrhundert im sog. Investiturstreit zwischen weltlicher und geistlicher Macht sogar Einfluss auf die Weltpolitik. Sie gründeten das Stift Sindelfingen und das Benediktinerkloster Hirsau, das im 12. Jahrhundert und danach das Klosterleben und den Baustil (Hirsauer Schule) in Deutschland wesentlich mitbestimmte. Um 1600 war die Burg verfallen. Herzog Friedrich I. von Württemberg plante an deren Stelle ein großartiges Schloss. Sein Baumeister Heinrich Schickhardt entwarf den Plan und die Grundmauern waren schon errichtet, da starb der Herzog, und der Weiterbau unterblieb.
Weitere Glanzzeiten erlebte die Stadt durch ihre Zeughandelskompagnie im 17 und 18. Jahrhundert sowie mit dem Salz- und Holzhandel; eine Zeit lang war Calw das bedeutendste Wirtschaftszentrum Württembergs und immerhin halb so groß wie Stuttgart. Dies ist umso erstaunlicher, als die Stadt gerade in diesen Zeiten auch dunkle Stunden und schwere Schicksalsschläge erlebte, so, als der Dreißigjährige Krieg tobte. Damals wurde Calw nach der Schlacht von Nördlingen, in der die katholisch-habsburgischen Truppen die Schweden und deren protestantischen Verbündeten besiegte, 1634 durch Johann von Werth und die seinen Truppen folgenden Söldner aus dem Balkan nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Oder 1692, als die Truppen Ludwigs des XIV. unter General Melac die Stadt wie auch das nahe Kloster Hirsau in Flammen setzten. Pest, Hungersnöte und verheerende Überschwemmungen taten ein Übriges. Aber bemerkenswert rasch hat sich die Stadt immer wieder aufgerappelt. Seit 1872 ist Calw an die Bahn angeschlossen. Zuerst wurde die in den 1980er Jahren aufgegebene Linie nach Weil der Stadt, die den Höhenunterschied zwischen dem Nagoldtal und dem Gäu durch eine weite Schleife über Hirsau samt Tunnel bewältigte, eröffnet. Zwei Jahre später folgte die tunnel- und brückenreiche Linie Pforzheim- Horb, die sich heute stolz Kulturbahn oder modern KulTourBahn nennt.
Uns zeigte sich heute die Kreisstadt an der Nagold, die jetzt zwar zum nordbadischen Regierungsbezirk Karlsruhe gehört, deshalb aber noch lange nicht ihr Merkmal einer alten schwäbischen Stadt verloren hat, mit ihren herausgeputzten Fachwerkhäusern am großzügigen Marktplatz, an der Marktstraße und an der Ledergasse als ein Einkaufs- und Touristenziel, das sich ganz zufrieden im Glanze seines größten Sohnes, des Literaturnobelpreisträgers von 1946 und weltweit meistgelesenen Autors deutscher Zunge, Hermann Hesse (1877-1962), sonnt. Das war freilich vor ein paar Jahrzehnten noch ein bisschen anders: damals galt Hesse den schaffigen Bürgern als jugendlicher Tunichtgut und Nichtsnutz, den man nicht einmal für würdig hielt, Namenspatron des Gymnasiums zu sein. So ändern sich halt die Ansichten und Zeiten...
Im Gasthaus zum Rössle am Hermann-Hesse-Platz, von wo aus man den Dichter lebensgroß in Bronze gegossen auf der Brücke stehen sieht, ließen wir unseren Wandernachmittag ausklingen.
Mit Mörike zu Blumenteppichen am Michaelsberg am 07.06.2012
Bericht von Wanderführer Heiner Weidner

Schon Eduard Mörike, der Pfarrer aus Cleversulzbach, kannte die Bedeutung des Michaelsbergs (394 m) bei Cleebronn; dort stand schon vor 1200 Jahren die erste Kirche im Zabergäu.

Eine Rundwanderung des Schwarzwaldvereins führte am Fronleichnamstag in zwei Stunden zum Ostabhang des Stromberg-Rückens, auf dem Württembergischen Weinwanderweg in die Cleebronner Weinberge und zum Michaelsberg. Beim dortigen Kirchenfest bewunderten die 22 Mitwanderer (auch aus Leonberg, Renningen und Wimsheim) rund um das Bildungshaus der Katholischen Jugend die großen und kleinen farbenprächtigen Blumenteppiche; fleissige Hände hatten seit dem Morgengrauen aus Blütenblättern und Samenkörnern biblische Motive mit großer Sorgfalt kunstvoll gestaltet.

Die Michaels-Gestalt in der restaurierten Bergkirche verschweigt heute leider jene Begegnung des Heiligen Bonifaz mit dem wütenden Satan im paradiesischen Zabergäu. Der Wanderführer - und dazu das abendliche Gewitter - schließen die Wissens-Lücke: Mörike lässt dem bedrängten Gottesboten mit Donnergrollen Michael zuhilfe kommen; die Feder aus den Schwingen des Erzengels erinnert, laut Mörike, seit über hundert Jahren stimmungsvoll an die dramatische Begegnung und ihr glückliches Ende. Das Symbol der Feder leitet den Wanderer jetzt weiter auf dem Literaten-Wanderweg durchs romantische Weinland.