"Berghighlights auf italienisch"

Pale di San Martino
Wanderwoche: San Martino di Castrozza
vom 4.7. bis 10.7. 2004
Die Pale Gruppe wird gebildet von spitzen Fels-Nadeln, in den Himmel strebende Türme aus Korallenskeletten; diese wurden nach dem Auftauchen aus dem Meer durch Witterungseinflüsse geformt. Ein Kletterparadies für alle Ansprüche. Das Hochplateau der Pale (Alta Plana) in 2600m Höhe besteht aus ca. 50 qkm nacktem Felsgestein, ein Felsenmeer mit tiefen Spalten durchsetzt, einer Mondlandschaft
nicht unähnlich. In diesem Juli noch immer mit zahlreichen Schneefeldern bedeckt . Die Pale sind Teil des Naturparks Paneveggio (ca. 190 qkm), dazu zählen auch der Forst von Paneveggio und ein Teil des Porphyrmassivs Lagorai weiter westlich.

Anreise am So., 4.Juli ab 8 Uhr Brenzplatz. Rudi Fuchs verabschiedet die TN bei schönem Reisewetter. In privaten PKW's ging es über den Fernpass u. Brenner in Richtung Bozen. Ca. 60 km von der Autobahnabfahrt Ora (Auer) über den Passo Rolle (ca. 2000 m ) erreichten wir im Konvoi unseren Ausgangspunkt, den Ort San Martino di Castrozza (1450 m Höhe).
Gegen 16:00 Uhr Ankunft u. Zimmerbezug im Hotel Miramonti; anschl. kleiner Schnupperspaziergang zum Kennenlernen des Ortes San Martino di Castrozza.
Um 19:30 Uhr das Abendessen im Hotel und erste Einführung über unser
Tourenprogramm durch Ewald.
1.Tag - Rosetta - Centro di Pale
Bei strahlendem Sonnenschein gegen 9 Uhr Aufbruch zum Busbahnhof. Der Bus brachte uns gemächlich, aber sicher aufwärts zum Passo Rolle.
Über Malga Fosse (1930m) oberhalb Col Verde (Seilbahn von San Martino) entlang des Pale S.Martino Massivs strebten wir der Rosetta zu. Kleiner Disput unter den Bergführern Hilde u. Ewald über den richtigen Weg (nicht in der Wanderkarte verzeichneter Pfad); Hilde setzte sich beharrlich durch und ersparte uns so ca. 300 m Abstieg u. Wiederaufstieg. Gegen Mittag erreichten wir über einige kleine Klettereinlagen mit Seilsicherung, und über die ersten Schneefelder, das Rifugio Rosetta (2581m), wo uns ein kräftiger, kühler Wind erwartete und uns in die Hütte zum Aufwärmen trieb: (die kurz behosten Ewald u. Adolf strotzten der Kälte). Die Seilbahn vom Col Verde zur Rosetta ist gerade in der Erprobungsphase u. war deswegen nicht für unsere Touren im Rosetta-Gebiet einplanbar. Weiter ging es dann nach kurzer Rast über die Schneefelder der Alta Plana zum Col dei Bechi. Diese Schneefelder kosteten uns in den kommenden Tagen noch einige Zeit und machten Tourenänderungen erforderlich. Nach der Hälfte des Abstiegs wurde Rast eingelegt auf einer Bergwiese auf einem kleinen Plateau immer noch umgeben von gewaltigen Felswänden und Schluchten. Grandios! Weiter ging es abwärts (noch 600m) über einen imposanten Bachabschnitt am Fuße eines Wasserfalles mit Kaskaden die an „Pamukkale" erinnerten, durch einen Tunnel (sehr finster) und endlich wieder durch grüne Auen in Richtung S.Martino. In der letzten Stunde des Abstieg erwischte uns dann das obligatorische Nachmittagsgewitter. Wir hatten schon die unteren Waldwege erreicht und so stellte der Regen keine große Herausforderung mehr dar. Die als „Einlauftour" propagierte Wanderung (9 Stunden), enthielt bereits alles, was die Wanderwoche versprach - wir konnten uns kaum eine Steigerung vorstellen. Am Abend waren alle zufrieden und guter Laune über diesen tollen Wandertag.
Gustl erhob sein Glas und brachte seinen Trinkspruch an:
         Wer heut sein Glas mit uns erhebt, der hat den ersten Wandertag schon überlebt.

2.Tag - Pale u. Marmolada Blick

Wieder mit dem Bus zum Paso Rolle u. von dort in das wunderschöne Hochtal des Rifugio Colbricon mit dem Laghi di Colbricon (1930 m). Wunderschöne Alpenrosen-Hänge sahen wir auf dem Weg. Der Laghi war für unsere Andrea, dem Küken der Wandergruppe gerade recht, um einige Schwimmrunden zu absolvieren. Dieser Wagemut bei recht kalten Wassertemperaturen brachten ihr von den Wanderern ringsum Beifall u. Bewunderung ein; man sieht nicht alle Tage so nette Badenixen mit Wanderstiefeln in dieser Höhe. Weiter ging es bergan, wobei sich ein kleiner Teil der Gruppe trennte, denen die Überquerung des Forcella Ceremana (2594m) zu anstrengend erschien. Die Hobbybotaniker wollten sich mehr der hochalpinen Blumenwelt widmen u. geruhsamer den Tag angehen. Die anderen Teil stieg weiter bergan durch Alpenrosenfelder, bis auch hier die ersten Schneefelder den Aufstieg erschwerten. Deren Durchquerung war nicht ohne, so war Imelda plötzlich bis zu den
Hüften im Schnee versunken. Durch das mutige Einschreiten eines Kavaliers namens Adolf kam sie schnell wieder an die Oberfläche. Aufkommender Nebel u. weitere Schneefelder liessen eine Überquerung nicht ratsam erscheinen, sodaß die Wanderleiter den Entschluß fassten, umzukehren u. nach S.Martino abzusteigen. Dadurch gelang es den meisten, in einer netten Kneipe in S.Martino die Wanderung mit einem schönen Bier und guter Stimmung abzurunden.

3.Tag - Rifugio Mulaz oder das Val Venegia

Abfahrt mit Autos zum Paso Rolle u. dann über sanfte Hügel der leichte Abstieg in das herrliche Val Venegia. Hier kamen nicht nur die Botaniker auf ihre Kosten, eine sagenhafte Alpenflora bot sich unseren Blicken. So etwa könnte der Eingang zum Paradies aussehen… (f. Liebhaber der Flora). Ein kritischer Blick zum Passo di Mulaz u. ein sorgenvoller Blick zum Himmel, hereinziehende Wolken vernebelten den Blick zum Paso di Mulaz, oben Schneefelder u. ein ziemlich anstrengender Aufstieg. In den Nebel…? Kurze Beratung der Wanderleiter darüber, keine Sicht am Mulaz, Schneefelder nicht einschätzbar, und es wurde vorgeschlagen gemeinsam die Wanderung durch dieses schöne Tal fortzusetzen; ein Schlenker über die nächstgelegene Höhe (400 Hm) musste allerdings eingeschoben werden, da Ewald Angst hatte, uns zu unterfordern. Also ging es über grüne Matten entlang des Massivs, Zeit für Blumen u. Ausblicke und ein Vesper auf der Höhe. Gelegenheit, auch Murmeltiere zu beobachten. Nun kam der abenteuerliche Abstieg (Ewald spielte Pfadfinder) zur Venegia Alm. Erst hier gab sich ein Geburtstagskind zu erkennen. Margitta spendierte eine Runde und wurde mit einem Ständchen gefeiert. Nach einem leichten, aber flotten Anstieg (durch nachmittägliche Gewitterwolken wurde die Laufgeschwindigkeit erhöht), erreichten wir dann bei bewölktem Himmel unseren Parkplatz am Passo Rolle.
4.Tag - Ins grüne Val Canali

Wegen der Schneefelder am Paso di Pradidali planten die Wanderführer eine Tour um, die uns eigentlich über Mondlandschaften ins grüne Canalital hätte führen sollen und wir fuhren mit dem Auto abwärts nach Fiera di Primiero u. von dort ins Val Canali. Über das Rifugio Treviso wollten wir zum Paso di Canali (2469m). Nach kurzem Anstieg zur Rifugio Treviso war der Weg zur Hütte versperrt (Umbau). Da die Tour nicht vorgewandert war, gab es irgendwann in luftiger Höhe Bedenken, ob wir auf dem richtigen Weg waren. Der Wanderleiter konnte das Risiko weiterzuwandern wegen der Schneefelder nicht einschätzen. Umkehren nach ca. 300 Höhenmetern und einen neuen Aufstieg beginnen, dazu reichte die Zeit nicht aus. Da das Val Canali landschaftlich sehr schön u. wild ist, war der Rückweg auch sehr reizvoll. Leider hatte Andrea ihren Richard dadurch auf die falsche Fährte gesetzt (er hatte eine leichtere Tour eingeplant u. erwartete unsere Rückkehr an anderer Stelle). Ende gut - alles gut. Letztlich haben beide sich gesucht und gefunden. Ein weiterer Vorteil ergab sich durch die Zeiteinsparung; das erlaubte uns einen Rundgang durch Fiera di Primero mit seiner schönen Fussgängerzone.
5. Über die Rosetta zum Rif Pradidali

Wir starteten diesmal mit der Seilbahn zum Col Verde (1955 m) u. stiegen nochmals, teilweise den gleichen Steig zur Rifugio Rosetta (2581 m), wie an unserem erstenTag. Nach kurzer Rast an der Hütte ging es weiter über die Alta PLana mit grossen Schneefeldern, die uns das Wandern u. Finden des Weges schwer machten. Ewald schickte seine Scouts (Peter u. Alois) öfters los, einen Pfad über die Schneefelder auszukundschaften; bergauf u. bergab stapften wir durch Schnee u. Felsen über die Hochebene. Einigen Teilnehmern rutschte dabei das Herz in Richtung Hose, schaffen wir die Überquerung, müssen wir oben übernachten… ? Nach einiger Übung machte es dann einigen Wagemutigen Spass, beim Absteigen zum Rifugio Pradidali die Schneefelder hinabzurutschen, teils am Hosenboden, teils im Stehen. Gegen 15:30 Uhr erreichten wir das Rifugio (2278 m) . Da die Tour - ganz spontan - an der Rosetta Hütte geplant worden war, sollte mit Bus die Rückfahrt aus dem Val Canali nach S.Martino erfolgen. Busabfahrt laut Wirtin der Pradalihütte um 17:15
Die Rast in der Hütte wurde abgekürzt. Der Abstieg (ca. 1100 m ) sollte uns gschwind ins Tal und zur Bushaltestelle führen. Diese Meisterleistung ist selbst dieser Truppe unerschrockener Bergwanderer nicht gelungen. Auch das war kein Beinbruch. Fahrer mit Taxi nach S.Martino, Autos holen, die anderen nutzten die Wartezeit zum Regenerieren der müden Knochen . Das Abendessen konnte fast pünktlich um 8 Uhr im Hotel genossen werden. Nach dem Essen trafen wir uns zur Abschlussbesprechung, um ein Resümee der Wandertage zu ziehen. Ewald u. Hilde mussten wegen des Schnees in Höhen über 2200 m einige vorgewanderte Routen umplanen, improvisieren. Trotzdem waren alle begeistert von den Touren, der herrlichen Alpenblumen, dem Bergpanorama, das sich bei gutem Wetter den Teilnehmern bot.
Den supercoolen Wanderführern Hilde und Ewald ein herzliches Dankeschön.
Am Samstag, 10.Juli machten sich die Teilnehmer dann auf die Rückreise, das Wetter änderte sich zum Schlechten u. am Brenner erwarteten uns dicke Regenwolken. Wieder in Deutschland trafen sich fast alle wieder zum gemeinsamen
Abschiedsmittagsesen im Engel in Hopferau.